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Touristenwege

Straße der Romanik

  Das Territorium des heutigen Sachsen-Anhalts war zur Zeit der ersten deutschen Könige und Kaiser ein politisches, wirtschaftliches und kulturelles Zentrum der abendländischen Geschichte. In dieser Zeit (von der Mitte des 10. bis zur Mitte des 13. Jahrhunderts) entstanden zahlreiche wehrhafte Burgen und prunkvolle Pfalzen, reiche Klöster und schlichte Dorfkirchen, die Beweis sind für die Stärke der Städte und das erstarkende Selbstbewusstsein ihrer Bürger, aber auch für ihre tiefe Frömmigkeit.
  Die Romanik war die erste geschlossene Stilepoche des europäischen Mittelalters. Die Bauten dieser Zeit sind gleichzeitig schlicht und imposant, sie sind Ausdruck unbeschränkter Macht.

  Nirgendwo sonst in Deutschland findet sich ein derartiger Reichtum an Zeugnissen aus unserer romanischen Vergangenheit. Die bedeutendsten, noch erhaltenen Zeichen dieser Zeit werden in der über 1000 Kilometer langen, 1993 feierlich eröffneten "Straße der Romanik" zusammengefasst. Die Straße zieht sich mit 72 Bauwerken in 60 Ortschaften durch das ganze Land Sachsen-Anhalt. Sie teilt sich in eine Nord- und eine Südroute, die sich in der Landeshauptstadt Magdeburg treffen.

  Wer sich einlässt auf eine Entdeckungsreise in das deutsche Mittelalter, betritt ein einzigartiges Freilichtmuseum von unschätzbarem Wert. Der Besucher trifft auf einen Schauplatz regen Treibens mit mittelalterlichen Lagerplätzen und Jahrmärkten, mit Historien- und Ritterspielen. Er erlebt Ritter und Mönche, Burgfräulein und Gaukler, Bauern und Spielleute, alle zum Anfassen nah. Er taucht ein in längst vergangene Zeiten und verbindet so Unterhaltung und Bildung in einem bunten Kaleidoskop.

  Die Stadt Quedlinburg wirkt dabei wie ein lebendig gewordenes Märchen. Treten Sie ein in das Bilderbuch der Zeit und erleben Sie die Geschichte eines ganzen Jahrtausends, und staunen Sie über die legenden- und sagenumwobene Wildheit und Schönheit der sie umgebenden Natur.

  "Ihr sollt nur sehen, wie es daliegt in der Ebene, dieses Quedlinburg mit seinen vielen Türmen, seinem altertümlichen Schlosse, seinem roten Dächermeer inmitten der bunten Blumenfelder" (Wilhelmine Heimburg 1850-1912 - Quedlinburger Dichterin)

Die Stiftskirche St Servatius

  Das weithin sichtbare und imposante Wahrzeichen der Stadt, die Stiftskirche St Servatius, zählt zu den eindrucksvollsten romanischen Bauten Deutschlands. Es ist bereits die vierte Kirche an dieser Stelle. Ursprünglich stand dort eine kleine dreischiffige Basilika, die unter Heinrich I. zur Pfalzkapelle wurde. Nach seinem Tod 936 wurde er dort beigesetzt. Nach der Gründung des Damenstiftes wurde sie erweitert, und auch die Königin Mathilde liegt noch heute in einem Steinsarg im Grabesraum der Kirche. Ende des 10. Jahrhunderts kam es zu einem fast vollständigen Neubau, der Mitte des 11. Jahrhunderts bei einem Brand teilweise zerstört wurde. Der letzte Bau auf den Grundmauern des alten, der uns die Kirche in ihrem heutigen Aussehen erleben lässt, wurde 1129 geweiht. Zwischenzeitlich wurde ein gotischer Chor eingebaut, der 1938 romanischen Formen weichen musste. Auch ein zweiter Turm wurde errichtet. Der instabile Baugrund brachte den zweiten Turm 1912 gehörig ins Wanken. Er konnte nur mit hohem Aufwand, auch in finanzieller Hinsicht, gerettet werden. An der Nordwand befindet sich das oftmals wenig beachtete Hauptportal, das als das älteste Säulenportal Deutschlands gilt. Im Inneren kann man den für die damalige Zeit charakteristischen Wechsel zwischen Pfeilern und jeweils zwei Säulen mit ihren unterschiedlichen Kapitellen sehen. Die farbige Ausstattung, die der Kirche etwas Feierliches verleihen sollte, ist nur noch in Resten in der Krypta erhalten. Zu bewundern ist auch der bemerkenswerte Stiftsschatz, zu dem sich der interessierte Besucher die "Kriminalgeschichte" seiner Vergangenheit erzählen lassen kann.

Die Krypta der Wipertikirche

  Im Südwesten der Stadt, dort, wo ehemals der Königshof Heinrichs I. zu finden war, erhebt sich inmitten eines Friedhofs eine großartige Sehenswürdigkeit auf dem Gebiet der Kirchenbaukunst, die Krypta der dem heiligen Wigbert geweihten Kirche. Ursprünglich auf dem Burgberg gelegen, musste das Kanonikerstift 936 dem Frauenstift weichen. Etwa um 950 wurde eine langgestreckte Basilika gebaut, die etwa 1020 eine dreischiffige Krypta mit halbrunder Apsis erhielt. Die Krypta befindet sich heute unter dem Chor. Das Mittelschiff verjüngt sich trapezförmig nach Osten und lässt so den Raum tiefer und mächtiger auf den Besucher wirken. Die schmalen Seitenschiffe sind wie ein Umgang um das Mittelschiff herumgeführt. Das Tonnengewölbe wird von Pfeilern und Säulen im Verhältnis 1:1 getragen, die das älteste Beispiel für solch einen Wechsel sind. Selten sind die Pilzkapitelle der Säulen, die aus der Holzbaukunst stammen. Ebenso ungewöhnlich ist der von den Stützen getragene waagerechte Architrav, der aus mehreren Teilen besteht, während sonst eher Rundbogenarkaden üblich sind. Der Altar und die Deckenmalerei darüber stammen vermutlich aus einer späteren Zeit.

 

Quedlinburg - UNESCO Weltkulturerbe