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Der Quedlinburger Musiksommer

Der Sommer in Quedlinburg widmet sich jedes Jahr der Musik und erfreut sich ständig wachsender Beliebtheit, nicht nur in der näheren Umgebung oder dem Inland.
Herr Biller, seines Zeichens Domorganist der Stadt Quedlinburg, übernahm die ursprüngliche Idee eines monatlichen Musikgenusses von seinem Vorgänger und baute sie bereits 1981 zu einem wöchentlich stattfindenden Ereignis aus, dem er den Namen "Quedlinburger Musiksommer" gab. Seine Idee war dabei, den historischen Raum, den gerade die Stiftskirche St. Servatius bietet, zu beleben. Vorbehaltlos stellt die Kirche aufgrund ihrer architektonischen und historischen Bedeutung eine unglaubliche Inspiration sowohl für Veranstalter als auch für Künstler und Zuhörer dar. Sie verlangt geradezu danach, mit Leben erfüllt zu werden. Die Umsetzung der Idee ist ihm so gut gelungen, dass es Anfragen seitens anderer musikalischer Ereignisse, wie beispielsweise der Köthener Bachtage bezüglich einer Zusammenarbeit gibt. Desweiteren kommt es zu einer Kooperation mit Künstlern aus ganz Europa und teilweise auch von außerhalb, die gern und jederzeit wiederkommen möchten.
Die Vision einer "Miniaturausgabe der Salzburger Festspiele" liegt somit durchaus in greifbarer Nähe. Es wird sich auf Dauer jedoch nur erreichen lassen, wenn auch das "Drumherum" stimmt und der Musiksommer nicht allein im luftleeren Veranstaltungsraum schwebt. So gibt es auch Querverbindungen zwischen "Wort und Musik", wenn z.B. eine Lesung von Thomas Manns "Tristan" und entsprechende Musik einen Abend füllen und beim Klopstockspektakel im nächsten Juni oder zwischen "Malerei und Musik", wie die Veranstaltung zugunsten der Feininger-Galerie in diesem Jahr.
Die etwa 25 Konzerte, die von Mai bis Ende September/ Anfang Oktober stattfinden, stehen bereits seit einiger Zeit unter bestimmten Themen, die sich jedes Jahr ändern. So heißt es im Sommer 2002 "Wurzeln und Spurensuche", die sich unter anderem auch gregorianischer Musik zuwendet. Im Jahr 2003 begibt sich "Junge Musik in alte[n] Mauern". Dort werden junge Musiker genauso wie junge Komponisten ihre Kunst in dieser alten, historischen Stadt darbieten. Und es wird auch Musik für junge Leute geben. Der jeweiligen Thematik wird nicht mit jedem Konzert gefolgt, aber ein paar exemplarische und besondere Abende gehören auf jeden Fall zu jedem Sommer.
Die Konzerte finden zwar hauptsächlich in der Stiftskirche statt, doch seitdem einige andere geeignete Gemäuer in der Stadt so nach und nach restauriert wurden, verlagert es sich an mehreren Abenden auch dorthin. So werden zum Beispiel die Blasiikirche mit ihrer barocken Innenausstattung und das Salfeldtsche Palais mit seinen wunderschönen Stuckarbeiten ebenso genutzt wie auch der Barocksaal des Schlossmuseums. Ferner ist geplant, Räumlichkeiten des alten "GutsMuths-Gymnasiums" einzubeziehen.
Die positive Resonanz der Besucher lässt darauf schließen, dass die Musik in unserer schnellebigen Spaßgesellschaft ihre Magie noch nicht verloren hat. Sie vermag noch immer, Gefühle auszudrücken und in uns wachzurufen, die in der immer stärker werdenden Oberflächlichkeit der Gesellschaft ein wenig untergehen zu drohen.
Ein solches Erlebnis in einer solchen Kulisse kann zwar die Probleme des Einzelnen auch nicht lösen, aber es kann durchaus helfen, ihm eine andere Sichtweise zu vermitteln. Und vielleicht trägt die Erinnerung daran auch dazu bei, die eigene Einstellung zu bestimmten Dingen des Lebens wenigstens teilweise zu überdenken.
(B.Reis)

Danksagung
Einen herzlichen Dank an Herrn Biller, der sich trotz seines vollen Terminkalenders kurzfristig die Zeit für ein derart interessantes Gespräch mit so vielen Informationen genommen hat.

 

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